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Crema beim Espresso – was sie verrät und wie sie gelingt
Die Crema ist das Erste, was man von einem Espresso sieht – diese haselnussbraune Schaumschicht, die sich über die Tasse legt, bevor man überhaupt den ersten Schluck nimmt. In Neapel gilt sie als Visitenkarte: Eine dichte, gleichmäßige Crema sagt dem Kenner, dass Bohnen, Mahlgrad und Maschine zusammengespielt haben. Aber die Crema ist mehr als Dekoration. Sie verrät einiges über die Qualität Ihres Espressos – und sie lässt sich gezielt verbessern.Was ist Crema eigentlich?Crema ist ein feiner Schaum aus winzigen Gasbläschen, die in das Getränk eingeschlossen sind. Beim Brühen presst die Maschine heißes Wasser mit hohem Druck durch das gemahlene Kaffeemehl. Dabei wird Kohlendioxid gelöst, das nach dem Rösten noch in den Bohnen steckt. Hinzu kommen Öle und feine Feststoffe aus dem Kaffee, die sich an die Bläschen lagern und sie stabilisieren. Das Ergebnis ist diese cremige Schicht, die einem guten Espresso seine typische Optik gibt.Wichtig zu wissen: Crema ist ein Hinweis auf Frische und Handwerk, aber kein Gütesiegel für Geschmack. Eine üppige Crema schmeckt nicht automatisch besser. Sie ist ein Indikator – einer von mehreren –, den man lesen lernen kann.Woher die Crema kommt: drei Faktoren1. Der Robusta-AnteilDer wohl größte Hebel ist die Bohnensorte. Robusta-Bohnen enthalten mehr Kaffeeöle und gerbstoffähnliche Verbindungen als reine Arabica. Sie erzeugen eine dichtere, stabilere und oft dunkler gefärbte Crema. Genau deshalb arbeiten klassische neapolitanische Mischungen mit einem bewussten Robusta-Anteil – nicht nur wegen der Crema, sondern auch wegen Körper und Druck im Geschmack. Wer einen besonders cremigen Espresso möchte, sollte zu einer Mischung mit Robusta-Anteil greifen statt zu einem reinen Arabica.2. Die Frische der BohnenCrema lebt vom Kohlendioxid in der Bohne, und das entweicht mit der Zeit. Frisch geröstete Bohnen, die ein paar Tage bis maximal wenige Wochen gerastet haben, bringen am meisten Gas mit. Kaffee, der monatelang offen lag, produziert kaum noch Crema – egal wie gut die Sorte ist. Kaufen Sie deshalb in Mengen, die Sie innerhalb von vier bis sechs Wochen aufbrauchen, und lagern Sie die Bohnen luftdicht, kühl und dunkel.3. Druck und BrühtemperaturOhne Druck keine Crema. Eine Espressomaschine arbeitet idealerweise mit rund neun bar – erst dieser Druck löst genug Gas und emulgiert die Öle. Die Brühtemperatur sollte bei etwa 90 bis 96 Grad liegen. Ist das Wasser zu kühl, bleibt die Extraktion blass und die Crema dünn; ist es zu heiß, verbrennt der Kaffee und die Crema wird schnell wieder fahl.Die Crema lesen lernenEin geübter Blick erkennt einiges: Helle, fast weiße Crema deutet auf eine Unterextraktion hin – der Mahlgrad ist oft zu grob, das Wasser läuft zu schnell durch. Der Espresso schmeckt dann sauer und dünn. Dunkle, fleckige Crema mit hellem Loch in der Mitte spricht für Überextraktion – meist zu feiner Mahlgrad oder zu heißes Wasser. Der Geschmack wird bitter. Goldbraune, gleichmäßige Crema, die nach dem Umrühren langsam zurückkehrt, ist das Ziel: ein Zeichen für saubere Extraktion und frische Bohnen. Ein einfacher Test: Streuen Sie eine Prise Zucker auf die Crema. Bleibt er kurz oben liegen, bevor er einsinkt, ist die Schicht stabil und dicht.Cremiger Espresso: die wichtigsten StellschraubenMahlgrad und MengeDer Mahlgrad ist Ihr feinstes Werkzeug. Für einen klassischen Espresso braucht es einen feinen, mehlartigen Mahlgrad. Als Richtwert gelten etwa 7 bis 9 Gramm pro Single und 14 bis 18 Gramm pro Doppel. Läuft der Espresso in unter 20 Sekunden durch, mahlen Sie feiner; braucht er über 30 Sekunden, gröber.Tampern und VerteilungVerteilen Sie das Kaffeemehl gleichmäßig im Siebträger und drücken Sie es mit konstantem Druck gerade an. Eine schiefe oder lockere Tampung führt dazu, dass das Wasser einen leichteren Weg sucht – die Folge ist eine ungleichmäßige, fleckige Crema.Maschine sauber haltenAlte Kaffeeöle in Sieb und Brühgruppe werden ranzig und drücken Crema wie Geschmack. Spülen Sie den Siebträger nach jedem Bezug und reinigen Sie die Maschine regelmäßig.Welche Sorten für viel Crema?Wenn Sie gezielt auf eine dichte, langanhaltende Crema setzen, lohnt sich der Griff zu Mischungen mit Robusta-Anteil und kräftiger Röstung. Aus unserem Sortiment passen besonders gut: Scugnizzo – kräftig und vollmundig im neapolitanischen Stil, mit dichter Crema. Crema – wie der Name verspricht, auf eine besonders stabile, samtige Crema ausgelegt. Oro – ausgewogen und rund, mit goldbrauner Crema für den täglichen Espresso. Eine Übersicht über alle passenden Mischungen finden Sie in unseren Espresso-Sorten.FazitDie Crema verrät, ob Bohnen frisch, die Sorte passend und die Extraktion sauber war. Wer einen cremigen Espresso möchte, kombiniert eine Mischung mit Robusta-Anteil mit frischen Bohnen, dem richtigen Mahlgrad und sauberem Equipment bei rund neun bar Druck. Stimmen diese Punkte, stellt sich die goldbraune Schicht ganz von selbst ein – und mit etwas Übung lesen Sie aus ihr, was in der Tasse passiert ist.
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